Der Rallye-Veranstalter hatte für den Abend am Ankunftstag, ein für uns kostenloses Abendessen im Restaurant "Nostalgia" organisiert.
Wer landestypische Leckereien erwartete, wurde enttäuscht. Es gab Spaghetti Bolognese. Das lag möglicherweise daran, dass das gewählte Restaurant unter deutscher Leitung steht, andererseits vielleicht daran, dass es nahezu keine gambischen Spezialitäten gibt. Verglichen mit Marokko ist Gambia hinsichtlich der Essenskultur eine ausgedehnte Einöde.
Das Essen wurde spät nach Mitternacht serviert. Wir waren eigentlich viel zu müde, um Hunger zu haben. Leider haben sich unsere gegenseitigen Durchhalteparolen nicht ausgezahlt, denn die Spaghetti waren im wahrsten Sinne des Wortes "bissfest". Wie dem auch sei, wenigstens hat das Bier geschmeckt. Wir leerten die letzte Julbrew-Flasche und machten uns auf zum Campingplatz des Deutschen Heinz Bohrmann, der gleichzeitig Präsident der Dresden-Banjul-Organisation ist. Übrigens: Heinz ist ebenfalls Besitzer des "Nostalgia". Schnell noch das Zelt aufgebaut, die Luftmatratze aufgepumpt und ab in die Koje. Es war in zwischen halb drei. Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass diejenigen Teams, die die dritte und letzte Fähre nehmen mussten, erst gegen vier Uhr morgens den Campingplatz erreichten.
Wir hatten uns im Vorfeld dazu entschlossen, die erste Nacht in Banjul auf dem Campingplatz zu verbringen und uns den Rest des Aufenthalts in einem Hotel einzuquartieren. Von einem Team der letztjährigen Challenge bekamen wir den Tipp, das Holiday Suites zu nehmen. Gesagt, getan. Wir richteten uns in einer Suite mit der Größe einer 2 ½ -Zimmer-Wohnung ein, die sauber war und zudem noch 200 Dalasis pro Nacht günstiger war als im Vorjahr. Dies hat jedoch seinen Grund. Anscheinend funktionierten zu diesem Zeitpunkt noch die sanitären Anlagen. Das einzige, das zuverlässig funktionierte, war das Waschbecken im Badezimmer. Die Toilettenspülung musste durch zusätzliches manuelles Befüllen überlistet werden und der Dusche ließ sich nie mehr als ein paar Tropfen gleichzeitig entlocken. Warmwasser war völlig Fehlanzeige und die Stromversorgung setzte mehrmals am Tag nachweislich aus. Wir sind in Afrika, wir wollen das Abenteuer, dachten wir und holten uns die Schlüssel an der Rezeption ab.
Wir hatten die Gelegenheit, uns mit Ute N., einer Entwicklungshelferin aus Leipzig im Holiday Suites zu unterhalten. Sie hatte die letzten zwei Wochen in Gambia verbracht, um ihr Entwicklungshilfeprojekt, eine Krankenstation in Youna, voranzutreiben. Durch sie erfuhren wir viel von Entwicklungshilfe, vom Gesundheitswesen in Gambia sowie von der Mentalität und Lebenseinstellung der einheimischen Bevölkerung. Leider flog Ute am gleichen Tag zurück nach Deutschland, so dass wir nun wieder auf uns alleine gestellt waren, die unergründlichen Tiefen Schwarzafrikas zu erkunden und uns einen Eindruck zu verschaffen vom Leben, Wirken und Sterben in Gambia.
Den Abend verbrachten wir mit befreundeten Teams im Restaurant "Amsterdam Dolphins, keine 400 Meter entfernt von unserem Hotel. Dieses beschauliche Restaurant war lange Zeit die Zielpunkt und "Stammkneipe" der Challenge, das, was heute das "Nostalgia" ist. Dieser erste vollständige Abend in Banjul zeigte uns, dass der Sextourismus in Gambia's Hauptstadt blüht. Leider. Wir beobachteten eine am Nachbartisch sitzende Gruppe weißer, männlicher Touristen, die zu allem Überfluss noch deutsch, genauer: schwäbisch, sprachen. Manfred, Lothar & Co. waren guter Laune und man erlaubte sich Späßchen mit der weiblichen, einheimischen Bedienung. Diese gingen so weit, dass deren Hintern begrabscht wurden und die zarten Mädels umarmt und sogar über die Restaurantterrasse getragen wurden. Die lustige Runde verließ ein Herr frühzeitig in Begleitung einer Prostituierten, der Rest folgte kurzerhand und stürzte sich ins Nachtleben von Serrekunda. Wir schlichen beschämt über unsere Landsleute zurück ins Hotel und fielen - wie eigentlich jeden Abend - todmüde in unsere Betten.