Nicht, dass wir auf unserer bisherigen Reise irgendwann hätten ausschlafen können, jedoch heute ging es richtig früh los.
Wir hatten 520 km zum Teil über schlaglochgesäumte Teerstraßen zu bewältigen, hatten einen Grenzübergang zu passieren und mussten den Banjul River mit der Fähre überqueren.
Der überwiegende Teil der Reise verlief in Küstennähe, so dass wir in der Regel durch auffrischenden Winden von den heißen Temperaturen im Landesinneren verschont blieben. Heute jedoch sollten wir die heißesten Temperaturen auf der gesamten Reise erleben. Die Gegend um Kaolack in Senegal, südöstlich der Hauptstadt Dakar gelegen, bescherte uns Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius. Die gefühlten Temperaturen lagen wesentlich höher, denn es herrschte nahezu Windstille. Zu allem Überfluss mussten wir dort eine etwa halbstündige Pause einlegen, wahrscheinlich zur abermaligen Zählung der Fahrzeuge unseres Konvois durch die uns begleitenden senegalesischen Zollbeamten. Diese Stadt bietet außer dieser Hitze noch wesentlich mehr: Kaolack gilt als eine der schmuddeligsten und dreckigsten Städte Afrikas. Die Verschmutzung durch Müll ist unvorstellbar, das Wasser ist praktisch ungenießbar und die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch. Die Stadt ist umgeben von zahlreichen Mülldeponien, was die Bewohner wie anderenorts nicht davon abhält, den Müll gleich vor der eigenen Haustüre zu entsorgen. Die Stadt ist umgeben von einem Ring dunstigen Abfallgestanks. Die Situation ist für Mensch und Tier – besonders sommers – unerträglich. Es vergeht kein Jahr, in dem in Kaolack nicht eine der in Afrika gefürchtetsten Epidemien ausbrechen: Malaria, Gelbfieber, Cholera.
Der Grenzübertritt von Senegal nach Gambia verlief zu unserer Überraschung zügig. Wir befanden uns nun in einer ehemaligen englischen Kolonie. Die bettelnden Kinder fragten nun nicht mehr nach „cadeaux“ und „stilo“, sondern nach „pens“ und „bottles“. Dies war das einzige Anzeichen, dass wir uns in einem anderen Land befanden. Denn die fürchterlichen Lebenszustände waren die gleichen.
Vor uns lag nun der Gambia River, der für den ungewöhnlichen Grenzverlauf Gambias verantwortlich ist. Auf einer Länge von 480 km und einer Breite von 10 bis 50 km folgt die Grenze dem Verlauf des Flusses. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass dies die Reichweite der Kanonen der britischen Schiffe auf dem schiffbaren Teil des Flusses war.
Auf unseren Konvoi, der diese Stelle seit Bestehen der Challenge zwei Mal im Jahr passiert, wartete man bereits ungeduldig. Verkäufer boten uns allerhand Waren zum Kauf an: Kaltes Bier, Wasser und Softdrinks, Nüsse, Eier und Schmuck. Kinder und junge Erwachsene verkaufen in Kommission für einen Lebensmittelhändler vor allem Getränke. Natürlich versuchten die Einheimischen auch hier, Kleidung, Lebensmittel oder Geld geschenkt zu bekommen.
Bis in die Dunkelheit warteten wir auf die Fähren, die uns zum anderen Ufer bringen sollten. Drei Fähren waren nötig, um unsere 60 Fahrzeuge überzusetzen. Wäre unser Konvoi nicht angekündigt worden und wären in Afrika absolut gängigen und nahezu legitimen Schmiergeldzahlungen an die Fährgesellschaft ausgeblieben, hätten wir wohl mehrere Tage an Ort und Stelle campieren müssen. Man teilte uns mit, dass einheimische Lastwagenfahrer bereits mehrere Tage auf eine Verschiffung warten.
Obwohl wir unser Fahrzeug auf der Fähre anscheinend direkt neben einem lauten Motor abstellten und die Überfahrt gar nicht lange dauern sollten, schliefen wir in unserem Fahrzeug ein. Mit einem plötzlichen Hämmern an die Seitenscheibe, begleitet von lauten und hektischen Befehlen wurden wir aus unserem wohlverdienten Schlaf gerissen. Wir starteten den Motor und rollten von der Fähre.
Es ist schon ein erhabenes Gefühl, wenn die Staatspolizei Gambias für unsereins die Straßen für den Normalverkehr sperrt. Unser Konvoi durchquerte den Großraum Banjul mit Warnblinklicht und Polzeieskorte bis zum Zielpunkt der Challenge, dem Restaurant „Nostalgia“ in der Stadt Serrekunda.