15.03.2009 Tag 16: Muscheldüne nach Nouakchott, Mauretanien
Pünktlich wie an jedem Tag kletterten wir um sieben Uhr aus unseren Schlafsäcken, um gegen acht dem allmorgendlichen Briefing zu lauschen. Das eingespielte Rolling-Hope Team betrieb Körperpflege, wusch Geschirr ab, legte Luftmatratze und Schlafsäcke zusammen, bepackte das Auto.
Um fünf vor acht schauten wir auf die Uhr und wunderten uns, warum es denn noch so ruhig im Strandcamp ist. Schnell die Nachbarn gefragt, was denn los sei. Es stelle sich heraus, dass am Vorabend noch ein Briefing stattgefunden hat, von dem wir nichts wussten! Die Information, dass die Abfahrt erst nachmittags stattfinden sollte, ist wie einige andere der vergangenen Tage leider auch nicht zu uns vorgedrungen. Auf den gepackten Koffern sitzend hieß es absatteln. Stühle und Campingtisch wieder raus und die Füße baumeln lassen. Irgendwie vertrieben wir uns die Zeit bis zum Nachmittag.
Der Tross konnte nicht eher starten, bis die Flut zurückging und der Strand wieder befahrbar wurde. Das Highlight war der Ritt durch die Dünen mit Irene! Wir wagten uns raus ins Dünenmeer: Düne hoch, Düne runter, zwischen kleinen Erhebungen hindurch, am Strand entlang. Irene kann es einfach. Vor dem gemeinsamen Start der Etappe krackselten 120 Personen die größte Düne im Umkreis hinauf, um ein Gruppenfoto zu machen. Pflichttermin erledigt, auf in die Autos. Großes Schieben war angesagt. Ein Fahrzeug nach dem anderen wühlte sich irgendwie aus dem Sand an den befahrbaren Strand. Muskelkraft, Seile, Sandbleche, Fußmatten, Abschleppen - alles war erlaubt.
Auf der Fahrt nach Nouakchott versagte ein 3er Golf den Dienst. Bei der Strandfahrt hat der Motor Wasser angesaugt. Der Bolide wurde unseres Wissens nach einigen Kilometern vom Strand auf eine Teerstraße geschleppt und dann wieder fit gemacht. Wir hatten mit Irene Spaß am Strand, plantschten etwas im kühlen Nass und schaukelten über die Bodenwellen am Strand. Leider wurde bei einem Überholmanöver ein weiteres Team durch eine geöffnete Seitenscheibe durch uns ordentlich geduscht. Wir entschuldigen uns nochmals für diese Unachtsamkeit!
Mit Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Nouakchott. Die bisherige Route führte uns bereits durch bettelarme Gegenden zu uns unvorstellbaren Lebensweisen. Freiwillig oder aus der Not heraus, das sei dahin gestellt. Doch nach den wenigen Kilometern, die wir bis jetzt in Nouakchott gesehen haben, können wir uns auf noch unglaublichere Bilder und Eindrücke gefasst machen – und Sie als Tagebuchleser auf spannende Lektüre!
Nach vier Tagen Wüste haben wir erst einmal genug vom Zelten. Der Sand ist inzwischen überall: im Haar, in den Ohren, im Mund, in der Unterhose. Wir mussten unbedingt in einem Hotel schlafen. Gar nicht so leicht ohne Ortskenntnis, ohne Sprachkenntnisse, völlig auf sich allein gestellt. Das Berger Brillen Team haben wir leider nicht mehr gesehen, von dem wir uns einen Stadtplan von Nouakchott hätten ausleihen können. So orientierten wir uns an den GPS Koordinaten der Deutschen Botschaft und dem Wissen im Hinterkopf, dass es in der näheren Umgebung mehrere für Touristen geeignete Hotels geben solle. Auf dem Weg zur Botschaft hielten wir an einem Hotel, vor dem einige unserer Rallye-Kollegen parkten. Der Preis von 16.000 mauretanischen Schekel, knapp 50 EUR, klang nach etwas Besserem, also ließen wir uns ein Zimmer zeigen. Bei dem Tritt über die Türschwelle bekommt man schon Gelbfieber! In diesem Dreckloch würde man noch nicht mal einen Hund halten. Der Großteil des Wandputzes lag auf dem Boden, die Türen hingen nicht mehr in den Angeln, der Toilette fehlte die Brille und die Spülung lief ununterbrochen. Ganz zu schweigen von dem ekelhaften Geruch und der Luft, die man schneiden konnte. Schnell raus hier!
Wir fanden hundert Meter von der Botschaft entfernt schließlich ein ordentliches Hotel, handelten den Rezeptionisten von 115 auf 85 EUR für das Doppelzimmer runter und schafften unseren Kram in unser Zimmer in dem zweiten Stock. Auf dem Balkon stehend fragen wir uns, wie wir nur hierher geraten konnten. Wir können die Erlebnisse wohl erst eine ganze Weile später realisieren und verarbeiten.
Hier könnt Ihr Euch den Tagebucheintrag als Sprachversion anhören: