14.03.2009 Tag 15: noch eine Düne zur Muscheldüne, Mauretanien
Die Abende sind empfindlich kalt. Sobald die Sonne am Horizont verschwindet, schlüpft man am besten in lange Hosen und Pullover, viele kramen die dicke Jacke hervor. Die Nächte sind sehr feucht. An der Innenseite unseres Zelts sammelt sich so viel Feuchtigkeit, dass uns morgens dicke Tropfen, die uns ins Gesicht fallen, wecken.
Irene ist selbst das Tempo in der schnellen Gruppe zu langsam. So fahren wir uns häufig durch das Feld nach vorne, um uns dann wieder zurückfallen zu lassen, um uns wieder nach vorne zu arbeiten. Das gibt uns auch ausreichend Gelegenheit, andere Teilnehmer aus unserem Fahrzeug heraus zu filmen.
Obwohl es erst März ist, zeigt das Thermometer tagsüber mindestens 36° C. Im fahrenden Auto lassen sich diese Temperaturen durchaus ertragen. Man sitzt im Schatten und die Zugluft der geöffneten Fenster und des Schiebedachs trägt kühlenden Wind in den Innenraum. Das Autoradio ist inzwischen stets ausgeschaltet. Die Geräuschkulisse ist so laut, dass man sich gerade noch unterhalten kann.
Vor kritischen Streckenabschnitten, meistens tiefe Sandpassagen, sammelt sich der Tross, um dann schön der Reihe nach die anstehende Herausforderung zu meistern. So auch gestern mehrmals geschehen. Bei einer etwas längeren Passage fehlten nach der Durchfahrt ein Bus und ein Motorrad. Was tun? In einer solch feindlichen Umgebung kann es für einen unerfahrenen Piloten schon nach kurzer Zeit kritisch werden. Keiner der beiden Vehikel ist mit GPS ausgestattet. Das Buschen könnte leicht im feinen, tiefen Sand festsitzen, der Motorradfahrer hatte nur eine Flasche Wasser dabei. Auf die landeskundlichen Scouts vertrauend machten sich zwei Fahrzeuge auf. Jedes hatte einen Führer an Board. Ausgesucht wurden zwei geländegängige Fahrzeuge, Irene war natürlich ebenfalls dabei. Elmar chauffierte einen Scout zweieinhalb Stunden durch die Walachei, leider ohne Erfolg. Wir hatten vorsichtshalber die Mann-über-Board- und die Tracking-Funktion unseres GPS-Geräts eingeschaltet. So konnten wir nachvollziehen, wo wir überall gesucht hatten, und hätten immer wieder an den Punkt, an dem die Suche gestartet wurde, zurückkehren können. Leider haben die Scouts in einer uns völlig unerklärlichen Richtung gesucht. Man fuhr den Track ab, von dem wir kamen, 45 Kilometer Luftlinie bis zu dem Punkt, an dem wir vor zwei Tagen die geteerte Straße verlassen hatten. Nach Norden, unser Weg führte uns jedoch nach Südwest. Und wir fuhren den gleichen Weg zurück. Eine Schlaufe oder Kreis wäre sinnvoller gewesen. Grundsätzlich hätte man eine Suche in Rasterform um die Stelle starten müssen, an der die beiden verloren gegangen sind. Letzen Endes ging die Sache gut aus. Man fand Spuren von einem Fahrzeug und einem Motorrad, die weiter in die Richtung führten, in die der Tross unterwegs war. Einige Kilometer weiter, fast an der Küste, reihten sich die verlorenen Söhne wieder in die Gruppe ein.
Auf dem weiteren Weg konnte sich Irene mehrmals als Rettungswagen profilieren, in dem sie andere Fahrzeuge aus kritischen Situationen befreite. Inzwischen machen wir das Rettungsseil, welches an der Abschleppöse an der Front befestigt ist, gar nicht mehr ab, sondern spannen es bis zum Außenspiegel, wickeln es einmal herum und stecken den Rest des Seils durch das Beifahrerfenster in das Auto.
Das Nachtlager wurde heute am Strand in der Nähe einer Muscheldüne errichtet. Wir konnten uns erlauben, mit zwei weiteren Allrad-Fahrzeugen ein kleines Camp in einiger Entfernung zum Strand aufzubauen. So setzten wir uns weniger dem Wind, dem Rauschen des Meeres und dem fischigen Geruch der Algen aus. Die anderen Teilnehmer stellten ihre Fahrzeuge in Strandnähe ab. Nur wenige folgten dem Rat, ihre Vehikel rückwärts dem Strand hinauf zu manövrieren, um am nächsten Morgen leichter auf die Piste kommen zu können. Man parkte die Autos kreuz und quer ohne System. Das wird morgen ein schönes Schaufeln, Schieben und Ziehen werden, die Wildparker wieder aus ihren Löchern zu befreien.
Hier könnt Ihr Euch den Tagebucheintrag als Sprachversion anhören: