Irene wurde heute eine Verschnaufpause gegönnt. Die alte Dame, die die bisherigen 5100 Kilometer der Chellenge ohne Fehl und Tadel absolvierte, wird auf die Strapazen der kommenden Sandwüstenetappen vorbereitet.
Im Gegensatz zu anderen teilnehmenden Fahrzeugen mussten wir Irene nur neu bepacken und volltanken. Den Rest des Tages hatte Irene frei. Die Vorbereitung umfasste das Befüllen sämtlicher Benzin- sowie Wasserkanister, diese wurden bis auf zwei Benzinkanister im Innenraum des Fahrzeugs verstaut und im Gegenzug sperrige aber leichte Ladung auf den Dachträger gepackt. Damit soll der Schwerpunkt des Fahrzeugs möglichst niedrig gehalten werden, um die Straßenlage und Manövrierfähigkeit zu erhalten bzw. zu verbessern. Irene ist von Haus aus schon eine hochbeinige Grazie, so dass wir den Schwerpunkt nicht unnötig nach oben verlagern möchten.
Andere Fahrzeuge im Tross erhielten heute ein Unterbodenblech für Ölwanne und Tank, welches man sich in einer der zahlreichen Werkstätten in der Stadt für kleines Geld anfertigen lassen kann. Irene indessen kann sich zurücklehnen. Sie hat diese Bauteile bereits in die Wiege gelegt bekommen und ist somit von Haus aus offroad-tauglich.
Den Tag nutzten wir weiterhin, um Wäsche zu waschen und unsere privaten Dinge zu sortieren. Obwohl, eigentlich gab es nicht viel zu sortieren. Das Zimmermädchen hatte das bereits für uns getan. Welch ein Glück war die Dame mit dem Räumen des Zimmers bereits fertig, als wir unsere Kochorgie auf dem Balkon unseres Hotelzimmers starteten. Alles begann ganz harmlos mit einem Gaskocher und einem Currywurst-Nudeltopf, der erhitzt wurde. Elmar erinnerte sich an die putzigen Stühlchen und den Minitisch im Beduinenzelt und dachte sich, dass man die Nahrung in Marokko wohl eine Etage tiefer zu sich nehmen würde. In unserem Fall schlug die Schüssel gefüllt mit 300 Gramm Spiralnudeln und Wurstscheiben auf den mit kleinen Kacheln im orientalischen Stil hübsch gefliesten Boden mit voller Wucht auf. Elmar hatte saubere Arbeit geleistet. Das erst vor drei Monaten eröffnete Hotel kann nun den Balkon neu Kacheln und die Wände neu streichen. Glücklicherweise stand die große Balkontür auf, so dass wir die Nacht in zwei hübsch gesprenkelten Bettchen verbringen können. Normal kann jeder!
Im Großen und Ganzen geht es uns gesundheitlich gut. Elmar klagt seit den Tagen, an denen wir im Zelt schliefen, in Südspanien und am darauffolgenden Tag im Norden Marokkos, über eine Erkältung, die sich bis auf starken Husten in den Abendstunden in Grenzen hält. Tim kratzt es nun auch etwas im Hals. Das kommt davon, wenn man aus dem gleichen Becherchen trinkt und sich eine Bettdecke teilen muss. Irene ist zur Hälfte gefüllt mit allerlei Arzneimitteln, jedoch haben wir nicht damit gerechnet, dass man sich in der südlichen Hemisphäre in der Nähe des Äquators erkälten kann.
Da wir die nächsten fünf Tage fernab jeglicher Zivilisation verbringen werden, entschlossen wir uns eine Apotheke aufzusuchen und uns mit heilenden Pillchen und Cremes zu versorgen. Wir bemerkten dass die meisten Geschäfte geschlossen, einige stundenweise geöffnet haben und nur eine handverlesene Anzahl von Läden kaufwillige Kundschaft empfing. Unsere Pharmazie gehörte, wie soll es auch anders sein, zu den Läden, dessen Rollladen heute gar nicht aufging. Wir erfuhren später, dass heute Feiertag ist, genauso wie gestern. Gestern war angeblich Mohammeds Geburtstag. Möglicherweise feiert man diesen hierzulande mehrmals im Jahr. Wir werden uns hoffentlich morgen früh vor der Abreise noch mit den nötigen Mittelchen versorgen können.
Heute Abend wird von der Rallye-Organisation ein typisch marokkanisches Abendessen organisiert, welches auf dem Campingplatz stattfinden wird. Nachdem sich inzwischen bei uns gelegentlich Ranzeblitze und Ranzesause abwechseln und auch der Stuhl etwas sämiger wird, werden wir zukünftig etwas mehr auf die Nahrungsaufnahme aufpassen und vor allem die allseits bekannte Desinfektion mit Wodka nach jeder Mahlzeit einführen. Nicht umsonst haben wir vier Flaschen Kartoffelschnaps im Gepäck. Prost!
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